Totgesagte leben länger.
Im April 2024 hat OpenAI die ChatGPT-Plugins beerdigt und durch GPTs ersetzt. Seit dem 9. Juli 2026 sind Plugins zurück in ChatGPT. Mit eigenem Verzeichnis, in der Web-Version und in der Desktop-App.
Mit den alten Plugins von 2023 haben die neuen allerdings nur den Namen gemeinsam:
Statt auf Manifest-Dateien und OpenAPI-Schnittstellen basieren sie auf MCP, dem offenen Standard, der sich seit 2025 in der gesamten KI-Branche durchgesetzt hat. Und sie sind keine einzelnen Erweiterungen mehr, sondern Pakete aus Apps, Skills und App-Templates.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie die neuen ChatGPT-Plugins funktionieren, wie du sie installierst und nutzt und was aus den alten Plugins geworden ist.
- Seit dem 9. Juli 2026 gibt es in ChatGPT wieder Plugins. Ein Plugin bündelt Apps, Skills und App-Templates für einen bestimmten Workflow und ersetzt das bisherige App-Verzeichnis.
- Technische Basis ist das Model Context Protocol (MCP), ein offener Standard, den neben OpenAI auch Anthropic, Google und Microsoft unterstützen.
- Das Plugin-Verzeichnis ist in allen Tarifen sichtbar (Web und Desktop-App). Ob du ein Plugin nutzen kannst, hängt von Tarif, Region und in Team-Workspaces von den Admin-Einstellungen ab.
1. Was sind die neuen ChatGPT-Plugins?
Ein Plugin ist ein Paket, das ChatGPT alles mitgibt, was es für einen bestimmten Workflow braucht. Je nach Plugin stecken darin bis zu drei Bausteine:
- Apps: Verbindungen zu externen Diensten wie Gmail, Notion, Canva oder GitHub. Über eine App kann ChatGPT dort Daten lesen und (je nach Berechtigung) auch Aktionen ausführen.
- Skills: Wiederverwendbare Anweisungen und Arbeitsabläufe, die ChatGPT Schritt für Schritt befolgt. Quasi Standard-Arbeitsanweisungen für wiederkehrende Aufgaben.
- App-Templates: Vorlagen, mit denen Workspace-Admins eine App mit den Zugangsdaten der eigenen Organisation einrichten können. Für Privatnutzer spielen sie kaum eine Rolle.
Ein Beispiel macht das greifbarer:
Das Canva-Plugin enthält die Canva-App (die Verbindung zu deinem Canva-Konto) plus acht Skills, darunter „canva-resize-for-social-media“ (ein Design für Facebook, Instagram und LinkedIn anpassen), „canva-bulk-create“ (viele Designs aus Tabellendaten erstellen) und „canva-brand-check“ (Farben, Schriften und Logos gegen dein Brand Kit prüfen). Du schreibst einfach „@Canva, passe dieses Design für Instagram an“ und ChatGPT erledigt den Rest im verbundenen Canva-Konto.
Die technische Grundlage für all das ist das Model Context Protocol, kurz MCP.
Kurz zur Erklärung:
MCP ist ein offener Standard, über den KI-Modelle mit externen Tools und Datenquellen sprechen. Ursprünglich hat Anthropic (das Unternehmen hinter Claude) den Standard im November 2024 veröffentlicht. OpenAI hat ihn im März 2025 übernommen, und seit Dezember 2025 wird MCP von der herstellerneutralen Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation verwaltet. Das Praktische daran ist, dass derselbe MCP-Server ChatGPT, Claude, Gemini und jedes andere kompatible KI-Tool bedienen kann.
2. Das Plugin-Verzeichnis: Plugins finden und installieren
Das Plugin-Verzeichnis erreichst du über den Eintrag „Plugins“ in der Seitenleiste, über die Einstellungen oder direkt über chatgpt.com/plugins. Es ist im Web und in der Desktop-App verfügbar und hat das bisherige App-Verzeichnis komplett ersetzt.
Die Plugins sind in Kategorien wie „Empfohlen“, „Produktivität“, „Kreativität“, „Entwicklertools“ sowie „Business und Betrieb“ sortiert:

Zum Start setzt OpenAI vor allem auf Plugins bekannter Anbieter. Die wichtigsten stelle ich dir im nächsten Abschnitt vor.
Die Installation läuft immer nach demselben Muster ab:
- Öffne das Plugin-Verzeichnis und wähle ein Plugin aus.
- Auf der Detailseite siehst du, welche Apps und Skills enthalten sind und welche Berechtigungen das Plugin braucht.
- Klicke auf „Plugin installieren“ bzw. „Verbinden“ und melde dich beim jeweiligen Dienst an (meist per OAuth, also dem üblichen „Mit Google anmelden“-Fenster).
So sieht eine Plugin-Detailseite am Beispiel von Canva aus. Unten werden die enthaltene App und alle Skills aufgelistet:

Nach der Installation bindest du ein Plugin ein, indem du im Eingabefeld ein @-Zeichen tippst und das Plugin auswählst (oder seinen Namen direkt in den Prompt schreibst). Alternativ findest du deine Plugins über das Plus-Symbol unter „Mehr“:

3. Die 20 beliebtesten ChatGPT-Plugins
Ein offizielles Beliebtheits-Ranking mit Installationszahlen veröffentlicht OpenAI nicht. Die folgende Übersicht basiert deshalb auf den Plugins, die OpenAI im Verzeichnis selbst empfiehlt und prominent platziert, kombiniert mit der Bekanntheit der Dienste dahinter.
Die 20 beliebtesten Plugins im ChatGPT-Plugin-Verzeichnis
Auffällig ist der klare Fokus auf Arbeits-Tools:
Statt Reise- und Shopping-Plugins wie 2023 dominieren heute Dienste wie Gmail, Notion, Slack und GitHub. Consumer-Apps wie Spotify, Skyscanner oder Etsy gibt es zwar auch, sie stehen im Verzeichnis aber deutlich weiter unten.
4. Die drei Bausteine im Detail
4.1 Apps: Die Verbindung zu deinen Tools
Apps sind das Herzstück der meisten Plugins. Sie verbinden ChatGPT mit externen Diensten und können je nach App unterschiedlich viel:
- Suchen und Abrufen: Informationen aus verbundenen Diensten in die Unterhaltung holen, z. B. E-Mails, Dokumente oder Tickets
- Interaktive Oberflächen: Manche Apps zeigen eigene Elemente direkt im Chat an, etwa Karten, Design-Vorschauen oder Playlists
- Deep Research: Einige Apps lassen sich als Quelle für ausführliche Recherchen mit Quellenangaben nutzen
- Sync: Manche Apps indexieren Inhalte im Voraus, damit Antworten schneller und präziser werden
- Schreibaktionen: Apps können auch Dinge verändern, z. B. eine E-Mail verschicken, ein Ticket anlegen oder ein Design erstellen
Gerade bei Schreibaktionen stellt sich die Frage, wie viel Kontrolle du behältst.
Die Antwort steckt im Berechtigungssystem:
Standardmäßig gilt die Einstellung „Wichtige Aktionen“. ChatGPT darf damit automatisch lesen, fragt aber nach, bevor es etwas tut, das Wirkung außerhalb von ChatGPT hat, sensible Daten weitergibt oder sich schwer rückgängig machen lässt (z. B. eine E-Mail senden, etwas löschen oder einen Kauf abschließen). In den Einstellungen unter 'Apps' kannst du das pro App oder global verschärfen („Immer fragen“, „Alle Änderungen“) oder lockern („Nie fragen“).
4.2 Skills: Wiederverwendbare Arbeitsanweisungen
Skills sind der zweite Baustein. Ein Skill ist im Kern eine hinterlegte Arbeitsanweisung, die ChatGPT bei einer bestimmten Aufgabe Schritt für Schritt befolgt, inklusive Kontext, Regeln und Formatvorgaben.
Der Vorteil liegt auf der Hand:
Du musst wiederkehrende Anforderungen nicht in jedem Chat neu erklären. Statt zum zwanzigsten Mal zu beschreiben, wie dein Wochenreport aufgebaut sein soll, hinterlegst du es einmal als Skill.
Skills begegnen dir an zwei Stellen. Zum einen bringen viele Plugins fertige Skills mit (wie die acht Canva-Skills von oben). Zum anderen kannst du im Verzeichnis unter dem Reiter „Skills“ eigene Skills anlegen. Eigene Skills sind den Bezahltarifen vorbehalten, nur Free und Go bleiben außen vor.
4.3 Eigene MCP-Server verbinden (Developer Mode)
Der dritte Baustein richtet sich an Entwickler und Unternehmen. Über den Developer Mode kannst du beliebige MCP-Server als eigene Apps mit ChatGPT verbinden, auch solche, die gar nicht im Verzeichnis stehen.
Das ist derselbe Mechanismus, den ich aus meiner täglichen Arbeit mit Claude Code kenne, nur eben in ChatGPT. Du hinterlegst die URL deines MCP-Servers, wählst die Authentifizierung (meist OAuth), ChatGPT scannt die verfügbaren Tools und ab dann kann das Modell sie nutzen.
Ein paar Einschränkungen solltest du kennen:
- Der volle MCP-Support inklusive Schreibaktionen läuft als Beta auf den Plänen Business, Enterprise und Edu. Auf dem Pro-Plan sind eigene MCP-Server auf Lese- und Abruf-Aktionen beschränkt.
- ChatGPT verbindet sich nur mit Remote-Servern, die öffentlich per HTTPS erreichbar sind. Lokale Server auf deinem Rechner brauchen einen Umweg (OpenAI bietet dafür den Secure MCP Tunnel an).
- Eigene MCP-Apps funktionieren nur im Web, nicht in der Mobile-App.
- Vor Schreibaktionen fragt ChatGPT je nach Berechtigung nach. Besonders riskante Aktionen werden komplett blockiert.
5. Plugins vs. GPTs vs. Connectors
OpenAI hat in den letzten Jahren einige Erweiterungs-Konzepte eingeführt und wieder umgebaut. Deshalb hier die Einordnung, was aktuell welche Rolle spielt:
- Plugins sind seit Juli 2026 das zentrale Konzept. Sie erweitern dein normales ChatGPT direkt im Gespräch und bündeln Apps und Skills für konkrete Workflows.
- GPTs gibt es weiterhin. Das sind eigenständige Chatbot-Varianten mit eigenen Anweisungen, die du im GPT Store findest und als separaten Chat öffnest. Sie haben die alten Plugins 2024 beerbt, sind aber ein anderes Konzept als die neuen Plugins.
- Connectors hießen die Datenquellen-Anbindungen (Google Drive, SharePoint und Co.), die OpenAI 2025 eingeführt hat. Sie sind in den Apps aufgegangen. Bestehende Verbindungen funktionieren weiter, neu hinzufügen kannst du sie nur noch als Teil eines Plugins.
Kurzum:
Wenn du ChatGPT mit deinen Tools verbinden willst, führt der Weg heute über das Plugin-Verzeichnis. GPTs bleiben die richtige Wahl, wenn du einen spezialisierten Chatbot mit eigener Persönlichkeit und eigenem Wissen brauchst.
6. Die Geschichte der ChatGPT-Plugins (2023 bis heute)
Dass dieser Artikel heute von MCP und einem Plugin-Verzeichnis handelt, ist eine kleine Ironie der Geschichte. Als ich ihn ursprünglich geschrieben habe, war er ein Nachruf.
Hier die komplette Zeitleiste:
- März 2023: OpenAI startet die Plugin-Beta für ChatGPT-Plus-Nutzer. Plugins basieren auf Manifest-Dateien und OpenAPI, es gibt einen Plugin Store und ein Limit von drei gleichzeitig aktiven Plugins. Beliebte Plugins sind damals Wolfram Alpha, Zapier, Expedia und Kayak.
- November 2023: OpenAI stellt GPTs vor, im Januar 2024 folgt der GPT Store. Damit ist das Schicksal der alten Plugins besiegelt.
- März/April 2024: Am 19. März 2024 endet die Plugin-Installation, am 9. April 2024 werden Plugins komplett abgeschaltet. Für diesen Artikel hatte ich damals zu den 100 beliebtesten Plugins passende GPT-Alternativen herausgesucht. Diese Liste habe ich mit dem großen Update im August 2026 entfernt, weil viele der GPT-Links mittlerweile ins Leere führen.
- November 2024: Anthropic veröffentlicht das Model Context Protocol als offenen Standard.
- März 2025: OpenAI übernimmt MCP. Damit einigt sich die Branche erstmals auf einen gemeinsamen Standard für Tool-Anbindungen.
- 2025: OpenAI baut die Grundlagen der heutigen Plugins: Connectors für Datenquellen (Mitte 2025), den Developer Mode für eigene MCP-Server (September 2025) und auf dem DevDay im Oktober 2025 die Apps in ChatGPT samt Apps SDK. Zu den ersten Apps gehören Spotify, Canva, Booking.com, Zillow, Coursera, Expedia und Figma.
- Dezember 2025: Anthropic übergibt MCP an die neu gegründete Agentic AI Foundation unter der Linux Foundation, die OpenAI mitgegründet hat.
- 9. Juli 2026: OpenAI führt das Plugin-Verzeichnis ein und macht Plugins zum zentralen Erweiterungs-Konzept für ChatGPT und Codex. Alle bestehenden Apps werden dabei in Plugins verpackt.
Was aus häufig gesuchten Plugin-Alternativen wurde
Die alte Liste mit 100 Einträgen wäre heute überwiegend ein Friedhof kaputter Links. Für häufig gesuchte Namen habe ich den letzten geprüften Status trotzdem erhalten. Mehrere damalige Plugin-Namen führten zum selben GPT, deshalb stehen Smart Slides und VEED jeweils zweimal in der Tabelle.
Status ausgewählter GPT-Alternativen aus der früheren Plugin-Liste, geprüft am 11. August 2026
Und ja:
Die Grundidee von 2023 (ChatGPT mit externen Tools verbinden) war richtig, nur die Technik war noch nicht so weit. Mit MCP als Branchenstandard, einem Berechtigungssystem und Skills für wiederkehrende Workflows wirken die neuen Plugins deutlich durchdachter als ihr erster Anlauf. Welche Modelle hinter all dem stecken, liest du in meinem Überblick über die ChatGPT-Versionen.






